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Dienstag, 24. Juni 2025



Ein besonderer Dank geht an Susanne, die nicht nur mitgereist ist, sondern meine Aufschriebe gelesen und mit ihrem Sprachgefühl oft genau die Hinweise gegeben hat, die meinen Text einfach klarer, runder und besser lesbar machen.


Zwischen Brezelfrühstück und Bergmassiv

Brezeln kaufen und Frühstücken


Wie bei jedem echten Fährtle – und dieses hier ist ja nicht irgendeins, sondern das Vor-Susannes-siebzigstem-Geburtstags-Fährtle – beginnt alles mit unserem nicht wegzudenkenden Frühstücksritual: Kaffee, Brezel, Ei, Tomate. Kein Schnickschnack, kein Firlefanz, sondern einfach nur gut.

Die Rollen sind klar verteilt: Ich (Teig-Fraktion) düse in die Stadt und hole die Brezeln , während Susanne (Koffein-Fraktion) daheim den Kaffee aufsetzt.

Los geht’s


Pünktlich um 8:00 Uhr geht’s dann los, der Kilometerstand des „Katzabärle“ zeigt 69604 Kilometer. Die Temperatur: perfekte 19 °C. Nicht zu heiß, nicht zu kalt – genau richtig, um der Welt ein kleines Stück zu entfliehen. Das Navi meint: Ankunft in Dornbirn um 9:44 Uhr. Dort war immer unser traditioneller Tankstop – eine kleine Konstante in dieser wilden, rasanten, völlig unvorhersehbaren Welt des Reisens. Und so brummen wir los, vollgetankt mit Koffein, Brezeln, Ei und guter Laune. Auf geht’s ins Abenteuer!

Fahrt bis zur Schweizer Grenze


8:33 Uhr – Kaum 30 Kilometer von zu Hause weg, dann der erste Boxenstopp. Rastplatz Hurlach. Die Koordinaten 48.112058, 10.834630 schreib ich auf falls wir mal einen Gedenkstein aufstellen wollen. Die Blase hat das Kommando übernommen. So kann’s ja heiter weitergehen.

8:43 Uhr – Wir rollen auf die A 96. Endlich Fahrtwind, endlich Autobahnfeeling. Doch nur 54 Kilometer später, um 9:17 Uhr, heißt es schon wieder: Pinkelpause. Diesmal Nummer zwei, am Rastplatz Burgacker Nord. Der Wind pfeift uns um die Ohren, als wollten auch die Bäume was loswerden. Immerhin frische Luft.

Was uns den Morgen so richtig versüßt: Wir haben die Schweiz-Vignette schon! Kein Stress in Hörbranz, kein Schauen, ob der Verkaufsstand offen hat, kein ewiges Anstehen an der Kasse. Einfach durchrollen – das spart Zeit, Nerven und gibt uns das Gefühl, ein echter Roadtrip-Profi zu sein.

9:21 Uhr – Weiter geht’s. Pfändertunnel gegen Viertel vor zehn – wow, es fühlt sich fast nach Alpenüberquerung an. Kurz danach, halb elf, erreichen wir Dornbirn. An der OMV-Tanke gibt’s keinen Sprit, sondern… einen Notfall-Aussteige-Wunsch. Susanne meldet dringenden Bedarf.

Dann cruisen wir zur altbekannten Avanti-Tankstelle in der Lustenauer Straße – früher günstig, immer zuverlässig… Nur: Die Tankstelle gibt’s nicht mehr. Einfach weg. Wie weggeblasen. Ein Kilometer weiter bei Eni wird gebaut, Chaos pur, aber wenigstens eine Zapfsäule ist frei. Jackpot! Wir schlagen zu und tanken bei Kilometerstand 69.782 voll.

Um Punkt elf Uhr überqueren wir bei Au die Grenze in die Schweiz. Tschüss Österreich, hallo Schweiz! Das Abenteuer kann beginnen – mit leerer Blase, vollem Tank und einer Prise Chaos. Genauso lieben wir es.

Fahrt durch die Schweiz bis zum San Bernardino Tunnel


Einen Kilometer nördlich von Kiesen dann ein Schrei, ich denke, was ist jetzt los? „Storch, Storch!“. Wenn Susanne Störche sieht, ist sie immer völlig aus dem Häuschen

Um 12:45 Uhr sind wir 137 Kilometer weiter in 1614 m Höhe am Rastplatz San Bernardino Nord. Hier machen wir eine kurze Pause.

Das Wetter ist herrlich und man hat einen traumhaften Blick auf die dominante Erscheinung des drei Kilometer weiter südlich liegenden, 2724 m hohen Piz Uccello. Warum ich mir da sicher bin? Nun, kein anderer Gipfel liegt in dieser Nähe so prominent über dem San Bernardino Pass. Die Nordflanke mit den Schneefeldern und dem dunklen, steilen Fels passt exakt zum Uccello.

Wir steigen wieder in unser „Katzabärle“ und starten den Motor. Die Maschine schnurrt leise und wir fahren – da der Rastplatz bereits an der Auffahrt zum San Bernardino Pass liegt – wieder rund 100 Meter zurück und dann rechts ab Richtung Chur.

Fahrt hinunter ins Misox-Tal


Vor uns liegt nun der Eingang zum San-Bernardino-Tunnel – 6,6 Kilometer lang, ziemlich gerade, ziemlich dunkel – und zweispurig mit Gegenverkehr. Wer meint, das sei nur eine dunkle Röhre, hat noch nie erlebt, wie sich manche Autofahrer da drin verhalten. Immer wieder gibt’s welche, die kurz mal meinen, die Gegenspur testen zu müssen – vielleicht, weil’s spannend ist? Also: volle Konzentration.

Wir bleiben schön auf unserer Spur. 80 km/h im fünften Gang – der Motor schnurrt angenehm, das Abrollgeräusch unserer Reifen hallt von den Tunnelwänden zurück. Fast meditativ. Und zack – nach sieben Minuten sind wir durch. Willkommen im Tessin!

Jetzt beginnt für mich der schönste Teil der Strecke: Die Fahrt runter ins Misox-Tal. Die Straße windet sich elegant bergab, Kurve um Kurve, als würde sie sich selbst genießen. Unser Panda – sprich, das „Katzabärle“ – fühlt sich hier pudelwohl. Locker nimmt er jede Biegung, als wär’s ein kleiner Tanz über den Asphalt.

Rechts neben uns gluckert ein Bach durchs Tal, links ragen die Bergflanken steil empor. Weiter unten sehen wir grüne Wiesen, vereinzelte Häuschen – und über allem hängen ein paar Schönwetterwölkchen wie hingetupft. Ein Postkartenmotiv nach dem anderen.

Nur blöd: kein Parkplatz, keine Haltebucht, kein Nix, um mal kurz anzuhalten und ein Foto zu machen. Man fährt durch diese Landschaft wie durch einen Traum – und kann nichts davon festhalten. Aber vielleicht ist das ja auch gut so. Manche Erinnerungen gehören einfach in den Kopf und nicht auf die Speicherkarte.

Mesocco


Nach etwas mehr als einer Viertelstunde entspannter Bergab-Fahrerei biegen wir bei der Ausfahrt Mesocco Nord ab. Ich bin nämlich nicht ganz sicher, ob man bei Mesocco Süd auch zum kleinen Parkplatz kommt, an dem der Fußweg zur Burgruine Castello di Mesocco losgeht – Google Maps war da irgendwie vage wie ein Politiker vor der Wahl – also lieber auf Nummer sicher gehen.

Das Dorf Mesocco selbst ist überschaubar. Rund 1000 Einwohner, eine leicht abschüssige Hauptstraße –  vielleicht 500 Meter lang –, zwei Minuten und man ist durch. Kein Ort zum Verweilen, eher ein Ort zum Durchrollen. Doch dann, kurz vorm Ortsausgang, rechts oben am Hang – die Kirche St. Peter und Paul. Die muss mit.

Dann erreichen wir den besagten kleinen Parkplatz. Eine Parkbucht ist noch frei, der Rest ist verstellt mit einem LKW und Baugeräten. Wir erwischen den letzten freien Platz – Glück gehabt!

Und ja, jetzt, wo wir da sind: Die Ausfahrt Mesocco Süd hätte auch funktioniert. Natürlich. Hinterher ist man immer schlauer – aber immerhin, wir sind jetzt da und nur das zählt.


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Von Mering nach Mesocco – Zwischen Brezelfrühstück und Bergmassiv
Von Mesocco nach Montano Lucino – Von der Burgruine zur Bettenburg
Comer See

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